Algerien 1

19.01.2024 bis 03.02.2024

Um acht Uhr fahren wir alle gemeinsam ab an den Grenzübergang bei Hazwa. Nach zwei Stunden sind wir alle vom tunesischen Zoll abgefertigt. Nun geht es zum algerischen Zoll. Die Abwicklung übernehmen die algerischen Guides für uns. Aber es dauert eine Ewigkeit, bis wir alle endlich einreisen dürfen. Ein grosses Problem sind scheinbar die mitgeführten Satellitentelefone. Diese müssen am Zoll hinterlegt und dürfen erst bei der Ausreise wieder in Empfang genommen werden. Endlich nach acht Uhr abends können wir wegfahren und unweit von der Grenze entfernt übernachten. Unser Warten wird etwas aufgelockert durch das Schauspiel der vielen schrottreifen Fahrzeuge, die von Tunesien nach Algerien fahren um günstigen Treibstoff zu tanken. Die Autos haben angebohrte Tanks, so dass der Treibstoff in Erdtanks abgelassen werden kann. So fahren die Autos den ganzen Tag hin und her, zum Teil werden sie auch geschoben, weil wohl zu viel Treibstoff abgelassen wurde. Die Zöllner interessiert das Treiben scheinbar nicht.

In den nächsten drei Tagen heisst es für uns Strecke fahren, um in den Süden zu gelangen. Zudem im Konvoi in drei Gruppen. Unsere Gruppe besteht aus dem Guide-Fahrzeug, vier Sprintern (Elisabeth und Hansueli Müller OW, Sibyl und Niggi Stöcklin OW, Milada und Ruedi Keller ZH und uns beiden), alle aus der Schweiz und dem Begleitfahrzeug der Organisation Selina und Max). Am ersten Tag etwas über dreihundert Kilometer, mit noch viel Verkehr und hunderten von schlafenden Polizisten (Pumps). Landschaftlich nichts Besonderes. Irgendwo frei übernachten, unweit von Hassi Messaoud.

Am zweiten Tag hat es bedeutend weniger Ortschaften und dementsprechend auch viel weniger Verkehr und Pumps. So kommen wir etwas besser voran und schaffen um die fünfhundert Kilometer, bis nach dem Ort TFT. Fahrzeit über sieben Stunden. Übernachten müssen wir in einem abgesperrten Gelände bei einem Sportplatz. Obwohl etwas müde, spielen wir noch Brändi-Dog.

Wieder nach acht Uhr wegfahren. Es warten nochmals fünfhundert Kilometer auf uns, bis wir nach Illizi kommen. Die Strecke wird immer verlassener, dafür landschaftlich langsam interessanter. So tauchen immer wieder Tafelberge auf und Dünen, bis die Strasse sogar durch die Dünen hindurchführt. Wir übernachten kurz vor Illizi, sehr schön inmitten der Dünen. Abends wird für uns alle gekocht. Das wird bis auf weiteres so sein, plus jeweils auch am Mittag. Das Essen wird von Männern zubereitet, ist abwechslungsreich und schmeckt gut.

In Illizi werden nochmals die Diesel- und Wassertanks gefüllt, dann fahren wir etwa 160 Kilometer Asphalt, bevor wir nach rechts ins Wadi Aharhar einbiegen.

Hier befinden wir uns in der schönen Felslandschaft des Tassili n‘Ajjer. Die off-road Strecke durch das Wadi hat es in sich. Teils sehr eng, viele Büsche und Palmen im Weg, Steinig und dann wieder sehr tiefer Sand. Dementsprechend langsam kommen wir alle voran, so dass es schon dunkel wird, als wir unseren Übernachtungsplatz am Ende des Tals Aharhar erreichen. Schön, dass wir nicht noch kochen müssen.

Heute fahren wir weiter durch das Tal hinaus und die Enge weicht einer offenen Landschaft. Nun kommen wir in die Nähe des Dorfes Afara. Ab hier besteht der Track vorwiegend aus Sand und so kommen wir auch wieder in den Genuss, Dünen hochzufahren und von oben die einmalige Landschaft zu bestaunen. Im späteren Nachmittag erreichen wir die bizarre Felslandschaft von Ifedaniouene, wo wir schön eingebettet übernachten. Leider macht einer der MAN LKWs schlapp und muss mit Getriebeschaden abgeschleppt werden. Ob dieser in Djanet repariert werden kann, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Natürlich läuft auch bei allen anderen nicht immer alles reibungslos, aber bis jetzt blieb es beim Schaufeln und Herausziehen aus zu tiefem Sand.

Das grosse Teamfahrzeug schleppt den kaputten LKW nach Djanet, daher werden die Lastwagen auf die anderen Gruppen verteilt. Wie gewohnt um acht Uhr abfahren. Das Wetter seit Tagen schön und durch den Tag warm, abends kühlt es aber noch stark ab. Zudem herrscht immer etwas Wind. Wir fahren nun durch die eindrückliche Felslandschaft zurück Richtung Afara. Nach der Überquerung einiger Dünen, kommen wir bei schönen Felszeichnungen vorbei. Danach folgt wieder eine sehr steinige Passage. Nach der Mittagspause gibt es, entgegen der Aussage der Guides nochmals eine Tiefsandpassage, wo prompt wieder zwei Fahrzeuge hängen bleiben, weil sie zu früh aufgepumpt haben. Danach kommt Asphalt und bald erreichen wir den Übernachtungsplatz wo es, wie schon die letzten Tage, für die Sprintercrew zuerst ein Apéro gibt. Heute sind wir bedeutend früher am Platz, so dass wir noch vor dem Nachtessen Zeit für ein Brändi-Dog haben.

Heute fahren wir etwas später los, da die verbleibenden 250 Kilometer bis Djanet alles auf Asphalt gefahren werden können. Die Strecke führt weiterhin durch eine einmalige Landschaft, die an andere Gebiete, wie zum Beispiel an das Monument-Valley erinnert, aber noch spektakulärer ist. Wir übernachten auf einem Campingplatz in Ifri, etwas ausserhalb von Djanet. Den späteren Nachmittag können wir an der Sonne geniessen und auch abends ist es nicht mehr so kalt, vor allem hat es keinen Wind. 

Wir bleiben noch einen Tag auf dem Campingplatz. So haben wir Zeit zum Waschen, Autoservice machen, Quatschen und in Djanet Einkäufe zu machen. Nachmittags kommt etwas Unruhe auf, weil plötzlich die Ambulanz vorfährt. Ruedi hat Herzprobleme und wird zum Untersuch ins Krankenhaus gebracht. Am späteren Abend kommt er zurück, und wir hoffen, dass er die Reise fortsetzen kann.

Den Morgen verbringen wir noch auf dem Campingplatz oder mit einem Besuch in Djanet. Ansonsten gilt es die Autos mit Wasser und Diesel aufzufüllen, wollen wir doch die nächsten sechs Nächte in der Wüste ohne jegliche Infrastruktur verbringen. Nach dem Mittagessen fahren wir los (Ruedi auch), zuerst kurz auf Asphalt, dann off-road über eine Sandebene Richtung Mont Tiska, total etwas über 60 Kilometer. Wir haben einen wunderschönen Übernachtungsplatz, eingebettet in unzählige Steinskulpturen. Abends wie so oft noch ein Lagerfeuer. Übrigens kann der MAN-LKW in Algerien nicht geflickt werden, das Getriebe ist kaputt und es muss ein neues organisiert werden. Somit muss der LKW mit Tieflader nach Tunesien gebracht werden. Der Besitzer, zum Glück alleine, kann in einem der Teamfahrzeuge mitreisen.

Die Strecke führt uns auf recht festem Sand und Steinen weiter durch eine abwechslungsreiche Landschaft, mit weiten Ebenen und Bergen in ein schönes Wadi, wo sich auch unser Übernachtungsplatz befindet. Wir fahren etwa 150 Kilometer, davon ganz wenig Asphalt, so dass wir zwischendurch auch wieder aufpumpen müssen. Unterwegs sehen wir Felszeichnungen und Felsritzungen. Mittags und abends haben wir genügend Zeit, uns zu Fuss zu bewegen. Leider hat es immer relativ viel Wind, so dass es abends bei nachlassenden Temperaturen nicht mehr so gemütlich ist, draussen zu sitzen.

Wir sind kaum losgefahren, kommen wir an den ersten Felsritzungen vorbei. Dann geht es eine Düne hoch, Niggi bleibt hängen und beim Begleitfahrzeug reisst der Keilriemen. Das bedeutet eine Stunde warten. Danach geht’s ohne grösser Probleme weiter auf Sandpisten durch das Tadrat Gebiet mit Canyons, bizarren Felsformationen und natürlich Dünen. Zwischendurch Stopps bei Felszeichnungen. Teils sind steile Dünen zu überwinden, mit entsprechenden Abfahrten. Die Sprinterarmada kommt immer sehr gut durch, so sind wir auch fast die einzigen, die eine hohe Düne für Fotoaufnahmen schaffen. Dementsprechend stolz sind unsere Guides, dass sie eine solche Gruppe anführen dürfen. Das Nachtlager findet wieder an einem schönen Ort statt. Die grossartige Fahrt wird mit einem schönen Weisswein gefeiert. Abends noch länger am Lagerfeuer.

Wie schon gestern etwas später losgefahren. Nachdem wir gestern gegen Süden gefahren sind, geht es heute nun durch das Tadrat Gebiet zurück gegen Norden. Die Strecke verläuft allerdings etwas anders, so dass wir nur zum Teil auf dem gleichen Track wie gestern fahren. Unterwegs gibt es wieder einige Felszeichnungen anzuschauen und natürlich Dünen zu überqueren. Der Sand ist weich und tief, so dass bei einer hohen Düne Bergeaktionen notwendig werden. In der Regel erwischt es immer die Gruppe vor uns. Wir warten über eine Stunde, bis wir endlich durchfahren können. Alle Sprinter kommen problemlos durch. Etwas später ist noch eine weitere hohe Düne zu überqueren. Nun dürfen wir als erste fahren. Was wir nicht wissen, ist, dass man für uns eine schwierigere und höhere Düne ausgewählt hat, als für die anderen. Auf dem höchsten Punkt sieht man nur noch den Himmel, bevor es praktisch senkrecht hinunter geht. Schöne Erfahrung und es kommen zum Glück alle gut hinunter. Gegen halb fünf erreichen wir den Übernachtungsplatz bei der Düne Ouane Zaouatan. Das Apéro haben wir uns mehr als verdient. 

Auch die heutige Etappe führt wieder an spektakulären Felsformationen, Dünen und Felszeichnungen vorbei. Die Sandfarbe wechselt auch immer wieder und zwischendurch gibt es Sträucher und Bäume. Die Mittagspause wird unter anderem für das Auftanken von Diesel genutzt. Dieser wird uns mit einem alten Unimog gebracht. Das Tanken selber bereitet am Anfang doch einige Schwierigkeiten, pumpt es doch den Diesel nicht recht aus dem Fass oder es spritzt ordentlich in der Gegend herum. Jedenfalls kriegt unser Sprinter eine ordentliche Ladung Diesel über die Karosserie ab. Aber waschen geht im Moment leider nicht. Den Übernachtungsplatz bei der Düne Tin Merzouga erreichen wir schon nach vier Uhr am Nachmittag. So haben wir Zeit für ein Meeting, respektive eine Fragestunde mit den Guides. Abends am Lagerfeuer stossen alle Tuaregs (Guides, Köche) dazu und machen Musik. Eine ausgelassene friedliche Stimmung.

Es geht wieder gegen Süden auf einem anderen Track. Auch hier hat es natürlich spezielle Felsen und verschiedene Felszeichnungen. Unterwegs müssen wir einmal mehr Dünen überqueren. Die erste Gruppe steht schon wieder und sucht einen Weg. Unser Guide dagegen führt uns problemlos durch die Passage, ohne dass jemand stecken bleibt. Etwas später kommt die nächste Herausforderung in Form von mehreren Dünen. Ich habe etwas zu viel Speed und übersehe beim Herunterfahren einen Buckel. Wir heben leicht ab und dann schlägt das Heck auf dem Sand auf und es gibt einen ordentlichen Schlag. Wir meinen beide, die Kaffeemaschine sei heruntergefallen, bis jemand ruft, wir hätten das Reserverad verloren. Tatsächlich hat sich durch den Schlag die Reserveradhalterung aus der Verankerung gelöst und das Rad freigegeben. Ansonsten scheint alles okay zu sein. Wir montieren wieder alles und es kann weitergehen. Der Track führt lange durch ausgetrocknete Wadis und ist sehr holprig. Später muss unser Begleitfahrzeug noch einen Militärlastwagen aus dem Sand ziehen. Zu guter letzt kommt noch eine brutal sandige Passage bis zum Übernachtungsplatz, wo sich, wegen zu hohem Luftdruck, praktisch alle festfahren. So ist es bereits dunkel, als wir ankommen. 

Wir fahren schon vor acht Uhr los und kommen dank dem Ablassen von Luft gut vom Übernachtungsplatz weg. Danach geht es noch über 30 Kilometern über eine ausgefahrene Piste, bis wir endlich auf die Asphaltstrasse kommen, die uns bis Djanet zurückführt. Hier zuerst tanken, dann auf den Campingplatz. Es gilt wieder zu Waschen, Wasser aufzufüllen usw. Später fahren wir in das Dorf, Auto waschen (der Diesel muss weg) und einkaufen. Im kleinen Kreis stossen wir auf meinen Geburtstag an, bevor dieser dann, nach dem Nachtessen, mit allen gefeiert wird. Zufällig wurde heute Abend eine Band engagiert, so dass wir bis Mitternacht zu arabischer Musik tanzen können. Die ganze algerische Crew macht ebenfalls mit, eine friedliche, ausgelassene Stimmung. Eine unvergessliche Geburtstagsfeier.